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Ehrenschlaraffen

Ehrenschlaraffen der Schlaraffia Vitudurum


Der 1. Ehrenschlaraffe der Vitudurum heisst „Joggeli“    

Ehrenschlaraffe Joggeli
Jakob Christoph Heer
(17.07.1859 – 20.08.1925)

Das literarische Schaffen in der Schweiz war während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende geprägt von bedeutenden Epikern und Novellisten. Den bekannten Literaten Jeremias Gotthelf (1797-1854), Gottfried Keller (1819-1890) und Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) folgten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Carl Spitteler (1845-1924), Ernst Zahn (1867-1952), Heinrich Federer (1866-1928) und als der damals meistgelesene Schriftsteller der Winterthurer Jakob Christoph Heer.

Am 17. Juli 1859 in Winterthur-Töss geboren und in der Geborgenheit des damaligen Rebbauerndorfes aufgewachsen, folgte J.C. Heer seiner Berufung zum Lehrer und war bis 1887 als Dorfschulmeister im Zürcher-Oberland tätig. Nach einem längeren, krankheitsbedingten Aufenthalt in Italien, trat er 1888 mit seinem ersten Buch "Ferien an der Adria" als Schriftsteller in die Öffentlichkeit.. Weitere Publikationen folgten und namentlich seine Beschreibungen von spektakulären Ballonfahrten mit dem damals bekannten Ballonkapitän Eduard Spelterini fanden ein derart grosses Echo, dass ihn die "Neue Zürcher Zeitung" 1892 zum Feuilleton-Redaktor berief.

Nun begann ein intensives literarisches Schaffen, das neben der Tagesschriftstellerei auch sehr viel Platz liess für eine ganze Anzahl Novellen. 1898 erschien sein erster, in der Zwischenzeit auch verfilmter Roman "An heiligen Wassern". 1899  folgte J.C. Heer einer Berufung als Redakteur der im Stuttgarter Verlag J.G. Cotta erscheinenden Familienzeitschrift "Gartenlaube", in welcher notabene seinerzeit – im Jahr 1880 – ein von weiland Ritter Plato der Weltenbummler verfasster Artikel über die "Schlaraffengesellschaft" erschienen ist.

In rascher Folge erschienen von J.C. Heer die Romane "König der Bernina" (1900), "Felix Notvest" (1901) und im Jahr 1902 das wohl schönste, wenn auch heute nicht mehr bekannteste Werk "Joggeli", eine innige Beschreibung seiner eigenen Jugend. Wieder zurück in der Schweiz, begann 1909 für J.C. Heer ein Dezennium glücklichen und erfolgreichen Schaffens. Nebst einer ganzen Anzahl kleinerer Epen finden namentlich die nach 1917 entstandenen Novellen "Nick Tappoli" und "Tobias Heider" Erwähnung. Letztgenannte ist als Beschreibung der eigenen Mannesjahre gleichsam eine ergreifende Fortsetzung von "Joggeli".

Nach dem Krieg fand sein schaffen, ja sein ganzes Leben, eine tragische Wende. Die Entwertung der deutschen Mark, die schon während des Weltkrieges eingesetzt und sich in der Folge zur Katastrophe ausgewachsen hatte, entriss ihm nicht nur sein Einkommen, sondern brachte ihn auch um sein ganzes Hab und Gut.. Er suchte Zufkucht bei seiner ältesten Tochter in Hesen. Mehrer Schlaganfälle und fortschreitende Arterienverkalkung raubten ihm auch noch die Gesundheit. Die letzten Jahre verbrachte J.C. Heer in Stein am Rhein in der Schweiz, wo er allerdings sein Vorhaben, eine Sammlung von Skizzen, Aufsätzen und Erzählungen nicht mehr vollenden konnte. Am 20. August 1925 starb J.C. Heer in Zürich.

Die Stadt Winterthur hat ihrem, zu Lebzeiten berühmten, vielgelesenen und hochgeschätzten Bürger drei Jahre nach dem Tod mit einem aus dem Gebiet der Bernina stammenden Gedenkstein geehrt. Dann wurde es sehr rasch still um J.C. Heer.

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Stifter:  Fürst Rt Goldschild

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2. Ehrenschlaraffe Quader der Konkrete

Max Bill wurde als Sohn der Stadt Winterthur am 22. Dezember 1908 geboren. Er absolvierte von 1924 bis 1927 eine Lehre als Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich. Im Alter von 17 Jahren wurde er 1925 mit seinen Schülerarbeiten an die Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris eingeladen, wo ihn besonders die Werke von Le Corbusier, Konstantin Stepanowitsch Melnikow und Josef Hofmann beeindruckten. 1927/1928 studierte er in Dessau am Bauhaus, wo zu dieser Zeit Gerd Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer lehrten.

Ab 1929 war Max Bill sowohl praktisch als auch theoretisch als Architekt, seit 1932 als Maler, Grafiker und Bildhauer tätig. Von 1932 bis 1937 war er Mitglied der Künstlerbewegung Abstraction-Création in Paris. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Georges Vantongerloo und František Kupka. 1936 definierte er in einem Ausstellungskatalog des Kunsthauses Zürich seine Vorstellung von "Konkreter Kunst" und wurde zu einem ihrer wichtigsten Vertreter. Seit 1936 war er auch als Publizist aktiv und gründete 1941 den Allianz-Verlag. 1938 wurde er Mitglied des Congrès International d'Architecture Moderne. 1944/1945 hatte Bill seinen ersten Lehrauftrag für Formenlehre an der Zürcher Kunstgewerbeschule. Von 1951 bis 1953 war er Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung und entwarf ihr Schulgebäude. Von 1953 bis 1956 war er deren erster Rektor. Zwischen 1967 und 1974 hatte er den Lehrstuhl für Umweltgestaltung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg inne. Er war Teilnehmer der documenta I (1955), der documenta II (1959), und auch der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.

Max Bill setzte sich auch immer wieder mit politischen Fragen auseinander. In seinen jungen Jahren war er – genau wie sein Kollege Richard Paul Lohse – ein engagierter Antifaschist, was unter anderem in der 1930er Jahren in der Gestaltung verschiedener Publikationen seinen Niederschlag hatte. Später protestierte er gegen den kalten Krieg und die atomare Aufrüstung, war gegen den Vietnamkrieg und schon in den 1950er Jahren Verfechter für Belange des Umweltschutzes. Von 1961 bis 1968 war Max Bill Mitglied des Zürcher Gemeinderates sowie von 1967–1971 als Parteiloser Mitglied im Schweizer Nationalrat.

Neben den bereits erwähnten Werken kennt man von Max Bill vor allem die folgenden Skulpturen, die weitgehend auf der "Zürcher Schule der Konkreten" beruhen:

"Kontinuität" vor der Hauptverwaltung der Deutschen Bank in Frankfurt
"Pavillon" an der berühmten Zürcher Bahnhofstrasse
"Endlose Treppe" im Zentrum der Stadt Ludwigshafen.

Max Bill erhielt für sein Schaffen zahlreiche Ehrungen, so unter vielen anderen:

1964 Ehrenmitglied des American institute of architects
1979 Grosses Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Ehrendoktorat der Universität Stuttgart (Dr.ing.h.c.)
1982 Kaiserring der Stadt Glosar. Ritter des belgischen Kronenordens
1989 Piepenbrock-Preis für Plastik, Osnabrück
1990 Helmut-Kraft-Preis für bildende Künste, Stuttgart
1993 Chevalier de la légion d'honneur de la france
1994 Ehrendoktorat der Eidg. Technischen Hochschule Zürich (Dr.sc.techn.h.c.)

Max Bill wurde zudem als fleissiger Autor bekannt, der interessante Schriften und Lehrvorträge verfasste, unter anderem über Konkrete Gestaltung (1936), über die mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit (1949), über Grundlage und Ziel der Ästhetik im Maschinenzeitalter (1955), über die Magie der gestalteten Gegenstände – autonome Gegenstände für den geistigen Gebrauch – Bauen als Teil der gestalteten Umwelt (in: Vom Bauhaus bis Ulm,1976).

Die Städte Zürich (Kunstpreis 1968) und Winterthur (Kulturpreis 1979) ehrten Max Bill für sein umfassendes Schaffen.

Er starb am 9. Dezember 1994 in Berlin.

Von DAX / Logo-viel (397)

 

 


ES Joggeli
J. C. Heer
1859-1925 (oben)
Max Bill
Quader der Konkrete
1908-1994 (links)